Titel_Abendrot
Wien, am 6. April 1897

Der Komponist Johannes Brahms wird auf dem Zentralfriedhof beigesetzt. Hunderte nehmen Abschied. Am Rande, etwas entfernt von der  Gesellschaft, steht der junge Bankangestellte Arnold Schönberg. Tief bewegt vom Verlust eines Mannes, dem er nie persönlich begegnet ist, dem er sich trotzdem geistesverwandt weiß wie kaum einem zweiten, faßt er noch am offenen Grabe den Entschluß, dem Toten einen Brief zu schreiben. Er möchte ihm posthum seine Verehrung erweisen, ihm mitteilen, wie sehr ihn der Verlust schmerzt, und seiner Überzeugung Ausdruck verleihen, er, Schönberg, werde den Weg, den Brahms eingeschlagen habe, konsequent weitergehen und die Musik zu einer nie erreichten Höhe führen.

Zwei Wochen später geschieht das Unglaubliche:  Brahms antwortet!

Dem mehrfach preisgekrönten Geiger Stephan Picard (u.a. Deutscher Musikwettbewerb, Internationaler Maria-Canals-Wettbewerb) gelingt zusammen mit seinem Pianisten Ben Süverkrüp eine Interpretation der großen Werke von Brahms und Schönberg, deren analytische Schärfe, technische Brillanz und Farbigkeit von einer unmittelbaren Innerlichkeit getragen werden.


Dem jugendlich-stürmischen Scherzo c-moll des zwanzigjährigen Johannes Brahms steht die „Phantasie für Violine mit Klavierbegleitung“, die bedeutende letzte Kammermusik des greisen Arnold Schönberg gegenüber; neben der großen G-Dur-Sonate von Brahms erklingt ein zauberhaftes Jugendwerk Schönbergs, eine dem Wien Schuberts verpflichtete Miniatur in d-moll; vor dem Hintergrund eines späten Intermezzos von Brahms gewinnen die „Vier Stücke für Geige und Klavier“ des Schönberg-Schülers Anton Webern eine neue Farbe (komplette Werkliste im Anhang).


„Süverkrüp und Picard musizieren in tiefem gegenseitigem Einverständnis, kosten alle Nuancen aus, legen die Seele der Werke frei.“ (WAZ)

Ein unmöglicher Briefwechsel

Bereichert wird der Abend durch einen fiktiven Briefwechsel zwischen Arnold Schönberg und Johannes Brahms: ebenso frei erfunden wie musikwissenschaftlich fundiert. Gelesen von der einzigartigen Kabarettistin Tina Teubner (Deutscher Kleinkunstpreis, Deutscher Kabarettpreis) – erhellend, erheiternd, bewegend.


Wenn Brahms („der Fortschrittliche“) und Schönberg („der konservative Revolutionär“) 50 Jahre lang über die Zeitgrenzen hinweg einen Dialog führen – wenn Brahms, zunächst amüsiert von seinem jungen, ungestümen Kollegen, sich später ausgerechnet von diesem erklären läßt, worin die Größe seiner Kunst besteht – wenn Schönberg, je älter er wird, immer mehr von seiner Überheblichkeit verliert und sich dem jenseitigen Brahms immer verwandter fühlt –  wenn der so sehr auf seine Privatsphäre bedachte Brahms Schönberg schließlich erklärt: „Es gibt niemanden, mit dem ich mich so gerne mißverstehe, wie mit Dir.“ – dann entsteht nicht nur das Bild einer Künstlerfreundschaft, die es hätte geben müssen, wenn es sie hätte geben können – dann wird konkret spürbar, wie klein der Schritt von der Spätromantik zur frühen Moderne, von Brahms’ introvertiertem Spätwerk zu Schönbergs vermeintlichem Bruch mit der Tradition gewesen sein muß.

Ohne zu belehren und immer gewappnet mit dem für geistigen Tiefgang erforderlichen Humor, läßt dieser Briefwechsel eine Zeit lebendig werden, von der der Schönberg-Schüler Hanns Eisler sagt:

Es ist die Musik des untergehenden Bürgertums. Aber was für ein Abendrot!

Das Porgramm ist auch auf CD erschienen. Ausschnitte aus der CD (sowie ein Interview auf WDR 3) können Sie hören, wenn Sie auf die kleinen Bilder rechts klicken. Die CD kostet 15,-€, der Versand 2,-€. Um die CD zu bestellen, schreiben Sie uns einfach eine Email an:

info@was-fuer-ein-abendrot.de

Arnold Schönberg auf der Beerdigung von Johannes Brahms

Arnold Schönberg, Stück d-moll für Violine und Klavier (1894)

Das ober- und das unterirdische Wien (Briefe 1-3)

Arnold Schönberg, Phantasie für Violine mit Klavierbegeleitung Op. 47 (1949)

Neue Musik ist niemals von allem Anfang an schön! (Brief 4)

Johannes Brahms, Scherzo c-moll WoO 2 (1853)

Die Kunst, ohne Einfälle zu komponieren (Briefe 5-8)

Johannes Brahms, Intermezzo es-moll op. 116 Nr. 8 (1892)

Konzentration ohne Wehleidigkeit (Brief 9)

Anton Webern, Vier Stücke für Violine und Klavier op. 7 (1910)


Pause


Neuer Wein in alten Schläuchen (Briefe 10-13)

Arnold Schönberg, Fragment für Violine und Klavier (1927)

Ein Radio in der Unterwelt

Johannes Brahms, Sonate G-Dur für Violine und Klavier op. 78 (1878/79)

Wunderlicher Alter (Briefe 17-18)

Johannes Brahms, Ungarischer Tanz Nr. 1 (Fassung von Joseph Joachim)


Dauer: 2 mal ca. 45 Minuten (Kurzfassungen möglich)

Programm
CD